Skitraum in Herzen Tirols

Lebendige Geschichte, ein gastliches Haus und weite Pisten auf dem Kronplatz

Der Kronplatz: ein Skitaum in Südtirol. Im Tal der Ort Brunneck. Foto: Gerd Spranger (gsp)

Bei einem ersten Besuch im nördlichen Italien, in Südtirol, überrascht die starke Präsenz der deutschen Sprache in Geschäften, auf Werbeschildern und in den Medien. Was nicht weiter wundert, denn fast 70 Prozent (69,4 %) der Südtiroler verstehen im Deutschen ihre Muttersprache, wie jüngste Umfragen des Landes Südtirol zeigen. Südtirol bringt es bei rund 500.000 Einwohnern auf jährlich 5,8 Millionen Gäste mit 29 Millionen Nächtigungen, ist bei Deutschen wie Italienern gleichermaßen beliebt. Wir treffen bei unserem Kurzurlaub aber auch Belgier, Kroaten, Serben und Polen, ein internationales Publikum.

Weite Pisten und Kaiserwetter am Kronplatz mit besten Aussichten. Foto: gsp

Wir starten zu einigen Skitagen nach Bruneck auf den Kronplatz – nach eigenen Angaben  Südtirol’s Skiberg Nr. 1. Von Innsbruck aus fahren wir in knapp 90 Minuten (107 km) über den Brenner in das Herz des Pustertals, nach Bruneck. Unser Quartier in der Innenstadt, das Hotel Krone, erweist sich als ein Glücksgriff. Kein 4-Sterne-Standard, dafür aber familiär geführt bei bester Gastronomie und direkt in der historischen Altstadt gelegen.

Der Shuttle-Bus bringt uns am nächsten Tag direkt zur Talstation. Mit 47 Euro für eine Tageskarte kein billiges Vergnügen, ab dem 17. März, mit dem Ende der Hochsaison, wird’s um sechs Euro billiger. 116 Pistenkilometer und 32 Aufstiegsanlagen erwarten uns vom zentralen Kronplatzgipfel aus, auf 2.275 Höhenmeter gelegen. Die Agentur Mountain-Management hat die Region 2012 zum besten Skigebiet Italiens gekürt. Wir dürfen also gespannt sein, was uns so erwartet.

Die Aussicht genießen und Sonne Tanken vor der Abfahrt. Foto: gsp

Der Name Kronplatz dürfte sich dabei auf ein gekröntes Haupt beziehen, denn der Berg ragt wirklich wie ein Haupt aus der ihn umgebenden Landschaft empor. Die von allen Seiten herauf führenden Bahnen und Liftanlagen, die sich wie Perlenschnüre an die Hänge klammern, lassen aber eher den Vergleich mit einem dornengekrönten Haupt zu, ein Stück vom Menschen beherrschte Naturidylle. Zum goldenen Haupt aber wurde der Berg in seiner 50-jährigen Geschichte für ganz Südtirol. Die einst kleinen Ortschaften sind heute zu großen Gemeinden und Städten herangewachsen und der Tourismus ist immer noch Haupterwerbszweig.

Auf den etwa 500 Meter durchmessenden Gipfelrund treffen sich die Bergstationen von fünf Liftanlagen. Daneben gibt es einige Restaurants, Skischulen und in der zentralen Mitte die Friedensglocke Concordia 2000 mit der Aufschrift „Gott schenke den Völkern Frieden“. Ein friedliches Miteinander und buntes Treiben herrschen hier auf diesen Marktplatz der grandiosen Aussichten ganztägig. Der Blick auf die hochalpine Welt der Dolomiten und Alpen, wo mächtige Gipfel bis in über 3000 Meter Höhe aufragen, ist in alle Richtungen atemberaubend.

Mit den Gondeln bequem auf den Kronplatz. Foto: gsp

Auf gut präparierten Pisten mit einigen Zentimetern Neuschneeauflage schwingen wir die Hänge hinab ins Tal. Von anspruchsvollen schwarzen bis hin zu blau und rot markierten Abfahrten ist für jedes Ski- und Snowboard-Talent etwas dabei. Im oberen Bereich, nahe den Bergstationen, verfügen die Skischulen über ein eigenes „Kinderland“, und auf den sanften Hängen sind viele Gruppen mit Skinachwuchs unterwegs.

Wir haben uns schnell für die Abfahrt nach St. Vigil entschieden. 2,5 lange Kilometer in bester Sonnenlage geht es auf einer roten Piste vom Gipfel aus hinunter zum Furmet-Pass. Die Variante, auf den gegenüber liegenden Berghang mit der Gondel hinauf zu gelangen, heben wir uns für den Nachmittag auf, wenn die Sonne hier für ideale Bedingungen sorgt. Von diesem Hang aus führt die Abfahrt 4 Kilometer hinunter nach St. Vigil, wo wiederum einige kleine Liftanlagen in die Höhe führen. In Piculin ist dann Schluss. Aber von hier führt ein Skibus in das nächste Skigebiet nach Corvara.

Wir fahren also wieder hinauf zum Kronplatz und lernen auf sanften Hängen und Abfahrten den östlichen Bereich des Skigebietes kennen, mit sechs verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten und einem Dutzend Pisten. 

Die längsten Abfahrten mit 7 und 5 Kilometern führen nach Ried und nach Reischach bei Bruneck. Wir entscheiden uns für die schwarzen, anspruchsvollen Varianten, die Pisten 1 und 4. Hier erleben wir einen Skigenuss, der etwas Können und Kondition abverlangt und auch wieder grandiose Ausblicke auf die Bergwelt bietet. In der Skiregion gibt es mehrere interessante Hütten und Einkehrmöglichkeiten. Eine gefiel uns besonders gut, der Berggasthof Graziani. Wunderschöne, Aussicht, herrliche Sonnenlage, viel Platz, aber auch „gute“ Preise, die Gulaschsuppe kostet acht Euro.

Am späten Nachmittag geht es hinab zur Talstation in Reischach. Viele Nimmermüde feiern noch beim Après-Ski. Musikalische Ohrwürmer mit stupiden Texten, werden ab einem gewissen Promillepegel als angenehm empfunden. Die Fangemeinde mobilisiert ganz eigene Energiereserven, und das vornehmlich junge Publikum kommt sich näher. Wir sind indessen froh, nach einem wunderschönen Skitag, wieder in den Shuttle-Bus steigen zu können und freuen uns auf das Quartier, auf eine entspannte Ruhephase, eine heiße Sauna und ein fürstliches 4-Gang-Menü.

Das Hotel Krone

Bei unserem ersten Besuch in Bruneck hatten wir einige Mühe in dem zersiedelten und weitläufigen Bruneck das alte Zentrum zu finden und hier, in verwinkelten Gassen, das Hotel Krone. Dabei liegt es sehr zentral, direkt zwischen Stadtgasse (Fußgängerzone) und Pfarrkirche am Burgberg von Schloss Bruneck. Uns erwartete ein ehrwürdiges Altstadthaus inmitten einer historischen Häuserzeile, wovon das Hotel Krone mit drei Gebäuden fast die Hälfte einnimmt. Der Charme des Hauses, das sicher drei Sterne anstatt der deklarierten zwei verdient hat, erschließt sich erst im „zweiten Blick“.

Aloisia hat das Hotel vor drei Jahren an ihren Sohn Gerd Hilber übergeben.

Es ist das Reich der Familie Hilber, deren Stammbaum in Bruneck bis in das 16. Jahrhundert reicht. Das ehemalige Bäckerhaus der Familie wurde 1908 in ein Hotel umgewandelt und heute in der dritten Generation von Gerd Hilber und seiner Partnerin Manuela als klassischer Familienbetrieb geführt. Der Bruder ist Küchenchef und die Mutter Aloisia kümmert sich auch heute noch um viele Belange im Betrieb. Bis 2009 hat sie es zusammen mit ihren vor drei Jahren verstorbenen Mann Ewald 36 Jahre lang geführt.

Heute muss sich der junge Hotelier Gerd Hilber den Herausforderungen in einem von Hotelketten dominierten Markt stellen. Dabei hat er, was das Hotel mit Schwimmbad, Sauna, 30 Doppelzimmern, eigener Pizzeria und Gasträumen betrifft, gute Voraussetzungen.

Die zentrale Lage des Hauses zahlt sich immer mehr aus. Gerd Hilber weiß noch gut um die Schwierigkeiten seines Vaters, als er sich daran machte, das Hotel zu modernisieren und auszubauen. „Wir liegen mitten in der historischen Altstadt. Da darfst du zunächst einmal gar nichts.“ Und Mutter Aloisia ergänzt: „Ja, die junge Generation wird bereits bei der Übernahme eines Betriebes vor ganz große Herausforderungen gestellt. Das war früher ganz anders. Da hat man halt einfach angefangen und ist dann in die Sache hinein gewachsen. Das geht heute nicht mehr.“ Früher habe man auch gewusst, dass man von vier Betriebswochen eine Woche für das eigene Auskommen und die nötigen Investitionen arbeitet. Auch galt zwischen Hotelier und Bank noch der Handschlag. Der Vertrag und seine Konditionen wurden bei einem Glas Wein bekräftigt. Auch diese Zeiten sind längst vorbei.

Die Spannung zwischen wirtschaftlicher Kalkulation und einer gastlichen Dienstleistung im besten Sinne hat sich verschärft. Davon merken die Gäste im Hotel Krone allerdings nichts, ganz im Gegenteil. In der angegliederten Pizzeria fühlen sich Gäste wie Einheimische gleichermaßen wohl, und das täglich mit Geschick und Phantasie zusammengestellt 4-Gänge-Menü bei Halbpension setzt ein kulinarisches Ausrufezeichen. Die gepflegten Zimmer sind sauber, geräumig, und die Betten mit guten Matratzen versehen. Die Zimmer entsprechen den modernen Standards.

Ein Tipp für die Heimreise:

Von Bruneck über Toblach und Lienz zum Felbertauerntunnel fährt man zwei Stunden, 45 Minuten und 118 Kilometer durch die landschaftlich sehr reizvolle Welt von Süd- und Osttirol.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s