Von Tirol ins Ladinum zum Marmolada nach Belluno

Cortina d’Ampezzo ist einer jener Namen bzw. Orte, die einem irgendwie bekannt erscheinen, doch waren wir noch nie dort. Es war eigentlich nur eine Station auf unserer Durchreise zur Königin der Dolomiten, der großen Marmolada (3343m), der höchsten Gebirgsgruppe der Dolomiten. Mit der Seilbahn auf 3265 Meter und über 1800 Höhenmeter bergab auf einer 12 Kilometer langen Abfahrt – das zumindest war unser Plan.

Cortina d’Ampezzo vor mächtiger Kullisse. Foto: Gerd Spranger (gsp) – Großbild bitte klicken

Für uns zählt die Anreise häufig schon zum Urlaubsbeginn, vor allem wenn wir eine ‚besondere Strecke‘ wählen. Von unserem Heimatort in der Nähe von Salzburg erreichen wir in einer guten Stunde den zentralen Ort des Pinzgaus, Zell am See. Auch hier ragt das Kitzsteinhorn mit über 3200 Meter hoch auf und bietet auf seinem Gletscher Schneesicherheit von Dezember bis April. Unser Weg führt uns von Zell am See 80 Minuten und 82 Kilometer weiter über die Felbertauernstraße (Maut 11 Euro) bis nach Lienz und zwischenzeitlich auf über 1600 Meter Höhe.

Das ist eine unserer bekannten und beliebten Strecken, landschaftlich sehr reizvoll und mit wenig Verkehr, wenn sich die Fahrt von Zell am See bis nach Mittersill (797 m) auch in die Länge zieht, von wo aus die eigentliche Felbertauernstraße beginnt, die sanft und gleichmäßig ansteigend hinüber nach Osttirol führt, mit einer Steigung von bis zu neun Prozent.

Die neue Zeit lässt sich Zeit in Lienz

Lienz selbst ist der zentrale Ort in Osttirol. In alle Himmelsrichtungen führen gut ausgebaute Staatsstraßen in die Gebirgstäler, doch große Ortschaften sucht man hier vergebens. Selbst Sillian ist mit knapp 2100 Einwohnern ein kleiner Ort, wo wir die Grenze nach Italien überqueren. Fahrtzeit von Lienz bis zur Grenze 30 Minuten. Doch zuerst wird in Lienz Station gemacht, ein kurzer Abstecher in die Altstadt bzw. in die Fußgängerzone mit großem Marktplatz. Das Wetter meint es heute gut mit uns, die Sonne lacht immer wieder zwischen den Wolken hindurch. Hier ist man uns mit dem Preis für einen Cappuccino von 2,50 Euro und einer freundlichen Bedienung gut gesonnen. Ein Viertelstündchen verweilen, die Atmosphäre auf uns wirken lassen, die Sonne genießen und ein kleiner Rundgang über den Marktplatz mit seinen alten Häusern wecken gute Erinnerungen in uns. Ansatzweise scheint auch die Neue Zeit ihre Wurzeln zu schlagen. Es braucht hier aber wohl ein wenig länger, was den Ort insgesamt – vor allem die Altstadt – nicht unsympathisch erscheinen lässt.

Eine Fahrt durch idyllische Landschaften

Also, unsere Reise geht weiter über die italienische Grenze nach Tirol, was sich sofort mit sehr schlechten Straßen bemerkbar macht. Diesmal heißt unser Ziel nicht Brunneck, und so biegen wir nach 15 Minuten bei Toblach links ab ins Ladinum. Die Straße wird etwas besser, aber nicht wirklich. Schneller als 70 km/h sind nicht ratsam. Es begegnet uns kaum Verkehr und die Landschaft kann nur als idyllisch bezeichnet werden. Der Schnee nimmt zu, und direkt neben der Straße ziehen sich über viele Kilometer sogar Langlaufloipen hin. Auf dieser Strecke führt ein Abzweiger hinüber zu den Drei Zinnen. Wir erreichen eine Höhe von 1500 Metern und nach 40 Kilometer Cortina d’Ampezzo, das bis in die 70er-Jahre hinein noch in einem Atemzug mit St. Moritz oder Kitzbühel genannt wurde, also ein bekannter und prominenter Wintersportort war. 1956 war er sogar Austragungsort der Olympischen Winterspiele.

Noch wissen wir nicht was uns heute noch erwartet. Foto: gsp – Großbild bitte klicken

Der Kleine Ort mit nur knapp 6000 Einwohnern bringt es auch heute noch auf immerhin eine Million Übernachtungen. Die goldenen Jahre hat der ladinische Ort in den Dolomiten wohl hinter sich, doch lebt er immer noch gut vom Tourismus. Haus an Haus reihen sich hier aneinander, mit viel Fachwerk, und irgendwie scheinen sie alle kleine private Pensionen zu sein, kaum Industrie und Wirtschaft in Sichtweite. Wir sind jetzt froh, unser mobiles Navi mit dabei zu haben. Wir wissen nicht, wohin die Fahrt geht. Nach zwei Richtungsänderungen und viermaligem Abbiegen landen wir auf einer kleinen Straße, die aus dem Ort hinaus in die Höhe führt. Hier haben wir unseren Fototermin: mit wunderbarem Blick auf Cortina d’Ampezzo. Es ist stark bewölkt, doch zumindest die Berge, der Cristallo mit 3221 Meter und der Sorapis mit 3205 Meter sind zu sehen und bilden eine mächtige Kulisse.

Unser Navi zeigt für unsere kleine Urlaubsreise noch eine Stunde Fahrzeit an und wir fahren unbedarft die Bergstraße weiter, sie wird enger und eine Kehre folgt der nächsten. Wo schickt und das Navi hin? Auch Google zeigt den gleichen Weg hinauf zum Pass Giau, uns völlig unbekannt. Indessen steigt die Schneehöhe links und rechts der Straße, die selbst aber zum Glück völlig schneefrei ist. Je höher wir kommen – inzwischen türmt sich der Schnee rechts und links der Straße auf einen Meter Höhe – desto mehr Sonne findet ihren Weg durch die Wolken. Eine traumhafte Winterlandschaft und wir sind einsam unterwegs bis hinauf zur Passhöhe auf über 2.300 Meter – Schneehöhe zwei Meter. Um uns herum endloser Schnee und endlose Berggipfel, viele leider hinter den Wolken verborgen. Es ist ein absolutes Highlight unserer Fahrt zum großen Marmolada.

Wir sind allein in dieser Winter-Wunder-Landschaft unterwegs zum Pass Giau. Foto: gsp – Großbild bitte klicken

Hier oben findet sich auch ein kleiner Sessellift mit einigen wenigen Skifahrern, es ist schon später Nachmittag und das Wetter eben nicht das Beste. In 30 steilen Kehren fahren wir wieder ins Tal ab, verlassen diese Traum-Winterlandschaft. Im Tal weiter auf schmalen Straßen, durch kleine Dörfer an steilen Hängen – unser Navi lässt uns im Stich, führt uns in die Irre. So drehen wir eine ‚Ehrenrunde‘ extra bevor wir unser Quartier erreichen, das Hotel Marianna in Rocca Pietore – über das Internet gebucht mit guter Bewertung in Booking.com und von einfachem Zuschnitt. Der Hotelier ist freundlich, spricht aber kein Deutsch und kaum Englisch, wir kommen aber zurecht. Im Ort selbst scheinen viele Häuser leer zu stehen, entlang der Straße aber einige beleuchtete Geschäfte, kleine Hotels und Bars.

Schnee, endlose Weite und Stille auf 2336 Metern Höhe auf dem Pass Giau. Foto: gsp – Großbild bitte klicken

200 Meter vom Haus ist eine kleine Pizzeria, die uns nach dem Einchecken sehr willkommen ist, wir sind nun doch schon acht Stunden unterwegs – reine Fahrzeit allerdings ’nur‘ knapp fünf Stunden für 270 Kilometer. Dafür haben wir aber viel, sehr viel gesehen. Die Felbertauernstraße, Lienz als Perle Osttirols, Cortina d’Ampezzo, den wunderschönen Pass Giau und jetzt den kleinen Gebirgsort Rocca Pietore, nur einen Kilometer vom großen Marmolada entfernt. Wird er zu einem echten Höhepunkt unserer Reise, unseres kleinen Skiabenteuers? Wir hoffen auf besseres Wetter.

Enge Straßen und steile Hänge mit besten Aussichten im Ladinum. Foto: Christine Spranger – Großbild bitte klicken

Unser Hoffen aber ist vergebens, die Wolken hängen schwer zwischen den Bergen und wir verzichten darauf, uns im dichten Nebel den Weg der Abfahrt zu suchen mit der Gefahr eines sich Verirrens. Das hatten wir diesem Winter bereits einmal erlebt, unser Bedarf war gedeckt. Was nun, endet unser Urlaub hier? Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer halbstündigen Recherche haben wir uns für einen Tagesausflug nach Belluno entschieden – eine Stunde Fahrzeit und 55 Kilometer. Von Belluno aus ist Venedig übrigens in 75 Minuten (104 km) zu erreichen. Belluno ist historisch, kulturell und wirtschaftlich das Zentrum der Region mit einer wunderschönen Altstadt. Unser Hoffnung war, auch dem schlechten Wetter in den Bergen zu entfliehen. Und diesmal ging unsere Rechnung für die Reise auf. Kurz vor Belluno verlassen wir die Berge und die Wolkendecke lichtet sich, auch wenn die Sonne bedeckt bleibt. Dennoch – für einen ausgedehnten Spaziergang in der Stadt genau richtig.

Auch hier war die Fahrt auf den engen Bergstraßen durch Schluchten, entlang einsamer Flussdeltas und verträumten Dörfern wieder ein Erleben.

Wenn Zeit, Lust und Laune folgt eine Fortsetzung. Sendet mir ein Feedback – DANKE

Im März ist auch in Belluno noch nicht wirklich was los. „Alt und Neu“ gehen hier aber gut zusammen und Zeit für einen Cappuccino ist immer. Foto: gsp

 

Die Kulisse erzählt von großen Zeiten der norditalienischen Stadt. Foto: gsp

 

Noch einmal den Winter richtig erleben, und dann in den Frühling eintauchen. Foto: Christine Spranger
Mit ein wenig Sonne schaut die Sache gleich ganz anderes aus. Foto: gsp
Nach einer langen Anfahrt stehen wir bei Nebel und Regen einsam vor der Talstation des Marmolada
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