Der Chiemsee in Tuchfühlung mit den Alpen

Der Chiemsee auf Tuchfühlung mit dem Alpen, immer einen Ausflug und Urlaub wert - ein Besttripp.
Der Chiemsee auf Tuchfühlung mit den Alpen, immer einen Ausflug und Urlaub wert – ein Besttripp.

Die Nähe des „Bayerischen Meeres“ zu den Bergen wird in der Gemeinde Bernau am deutlichsten. Sie erstreckt sich vom Chiemsee (518 m NN) bis hinauf zur Kampenwand mit 1669 m. Und damit sind wir gleich bei einem der schönsten Ausflugszielen der Chiemsee-Region, denn der Blick von hier oben, von der Bergstation der Kampenwandbahn über den See, ist sensationell. Gut zu sehen ist der See auch vom Hochfelln aus – auf dem vom Ort Bergen aus ebenfalls eine Bergbahn hoch hinauf auf die Chiemgauer Alpen führt.

Mit den Schiffen zu den Inseln Frauenchiemsee und Herrenchiemsee

Mit dem See auf Tuchfühlung geht’s auf dem Radrundweg (70 Kilometer) um den See herum und von der Gemeinde Prien aus starten die Schiffe der Chiemsee-Schiffahrt im Ganzjahresbetrieb, falls der See nicht zufriert, wie zuletzt im Jahr 2012. Das aber ist wiederum eine einmalige Gelegenheit zu Fuß über den See zu gehen und unvergessliche Natureindrücke zu erleben. Auch von Gstadt aus, am Nordufer des Sees gelegen, pendeln die Schiffe zur Herren- und Fraueninsel. Die Nordseite des Sees bietet wegen des flachen, teilweise hügeligen Hinterlandes einen ganz besonderen Reiz und Kontrast zu den im Süden aufragenden Bergen. Die Kulisse reicht vom Inntal bis hinüber zum Chiemgau. Dabei im Vordergrund häufig das See-Panorama, mal glänzend in der Sonne, mal mystisch im Nebel verborgen, je nach Tageszeit und Licht immer inspirierend.

Alte knorrige Bäume sind traumhafte Wegbegleiter am Chiemsee, ein Besttripp
Alte knorrige Bäume sind traumhafte Wegbegleiter am Chiemsee, ein Besttripp

Jetzt im Herbst, wenige Wochen vor dem hereinbrechenden Winter, scheint die Landschaft am See langsam in Winterstarre zu fallen. Die Farben dominieren Erdtöne, die Schatten fallen länger und nur wenige Sonnenstunden erwärmen um einige wenige Grad. Zeit für lange Sparziergänge, in warmen Mäntel gehüllt, Zeit für Glühwein und Einkehr in ‚die warme Stube‘.

Spärlich tummeln sich einige Touristen und Radfahrer am See, die im Sommer in Hundertschaften um den See radeln. Es kehrt etwas Ruhe ein, ein Stück von der ‚guten alten Zeit‘, als an den Ufern, an besonders lauschigen Plätzen und auf Anhöhen immer wieder mal Maler, die berühmten Chiemseemaler, ihrer Kunst nachgingen. Heute übernehmen häufig Smartphones diese Funktion und lichten die Schönheit dieser Landschaft ab. Für Ruhe und Besinnung, das Erspüren der Landschaft mit ihren Farben und der frischen Seeluft fehlt meist die Zeit auf dem Weg zum nächsten Aussichtspunkt. Glücklichist, wer Urlaub macht, sich Zeit nimmt für das Ich, für den See und die zauberhafte Umgebung.

Was aber wäre eine Reportage über den Chiemsee wert, fehlte in ihr die Hauptattraktion, nämlich seine beiden großen Inseln Herren- und Frauenchiemsee. Wie die geschlechtsspezifische Namensgebung bereits erahnen lässt, hat hier früh in der Geschichte die Kirche diesen geschützten Platz im See entdeckt und ein Kloster errichtet,  782 durch Herzog Tassilo III. von Bayern gegründet. Eine über Jahrhunderte perfekte Idylle auf der 15,5 ha großen und – heute – autofreien Fraueninsel. In den etwa 50 Häusern wohnen um die 300 Einwohner beständig.

Geschichte reicht bis 620 zurück

Mit 238 Hektar ist die benachbarte Herreninsel deutlich größer. Auch hier gründete Herzog Tassilo III. von Bayern ein Kloster. Der tatsächliche Gründer aber soll Eustasius, der Abt des Klosters Luxeuil (Burgund) gewesen sein. Die Gründung erfolgte (nach neuesten, auch archäologischen Erkenntnissen) zwischen 620 und 629. Herrenwörth war damit das älteste bairische Kloster, es entstand etwa siebzig Jahre vor der Gründung von St. Peter in Salzburg, welches lange als ältestes Kloster gegolten hatte, ist auf Wikipedia zu lesen.

In den ersten Jahrhunderten war es Benediktinerkloster, ab 1130 ein Stift der Augustiner-Chorherren. Zu königlichem Glanz kam die Insel aber erst im Jahr 1878 mit dem Bau des Schlosses Herrenchiemsees durch den sogenannten Märchenkönig Ludwig II. Es wurde nach dem Vorbild des Schlosses von Versailles bei Paris erbaut. Schloss Herrenchiemsee war das letzte große Bauprojekt Ludwigs II., er bewohnte es nur wenige Tage. Die Arbeiten endeten mit dem Tod des Königs im Juni 1886, das Gebäude blieb in weiten Teilen unvollendet.

Herbstliche Seeidylle am Chiemsee, ein Besttripp
Herbstliche Seeidylle am Chiemsee, ein Besttripp

Soviel zur Geschichte der beiden Inseln, die bei einem Besuch aber bis heute präsent ist und von ihr lebt. Die Idylle der kleinen Fraueninsel nimmt den Besucher schnell gefangen und gut kann man sich in jene Zeit zurückversetzen, als hier im Auf und Ab der Weltgeschichte die Ordensfrauen ein geistliches und weltliches Refugium ihr eigen nennen konnten. Weitgehend autark und unabhängig von der sie umgebenden Welt. Ein Spaziergang durch die kleine Siedlung der kleinen beschaulichen und mit viel Liebe und Sachverstand erhaltenen Inselhäuschen ist immer wieder ein besonderes Erlebnis.

Ausflug zum Koster und zum Schloss Herrenchiemsee

Ganz anders die Eindrücke auf der Herreninsel. Nach dem Anlegen des Schiffes ist vom Schloss erst einmal nichts zu sehen. Es geht etwas nach oben zum alten Augustiner-Chorherrenstift. Viel Wald und teils uralte Bäume prägen weite Teile der Insel.  Außerdem gibt es landwirtschaftliche Felder und gut erhaltene und bis heute genutzte Wirtschaftsgebäude des alten Klosters in der Nähe des Schiff-Anlegesteges.

Zum Schloss führt ein Kieswege zwischen die Felder und durch den Wald – etwa 20 Minuten Gehzeit – oder man fährt mit der Pferdekutsche etwas schneller, wenn auch nicht viel. Das Schloss Herrenchiemsee kann das ganze Jahr über besichtigt werden. Doch auch sein direktes Umfeld mit herrlichen Spazierwegen – ohne Autolärm, unter uralten Bäumen – ist einen Besuch wert. Im Sommer natürlich auch die Wasserspiele und der gepflegte Schlosspark.

Schattenspiele in Chieming am Chiemsee
Schattenspiele in Chieming am Chiemsee

Zurück von den Inseln auf dem Festland sind am Nordufer des Chiemsees noch die zwei kleinen Seegemeinden Seebruck und Chiemsee immer einen Spaziergang wert. In Seebruck etwa fließt die Alz direkt aus dem Chiemsee. Ein gemächlich hin fließender Fluss mit warmen Seewasser, der für Schlauchbootfahrten gerne genutzt wird.

Wenige Kilometer nach Chieming geht es zur Hirschauer Bucht und zum Delta der Tiroler Ache, dem größten Zufluss des Bayerischen Meeres. Das Delta ist strenges Naturschutzgebiet und das Betreten strengstens verboten. Am Nähesten kommt man ihm nur mit dem Fahrrad auf dem Chiemsee-Rundweg bis nach Übersee. Mit dem Auto geht’s etwas vom See weg nach Grabenstätt zur Autobahn, in Richtung Alpen etwa zur Hochplatte nach Grassau oder entlang der Tiroler Ache bis nach Pass Thurn, der den Pinzgau (Salzburger Land) und Tirol verbindet. Und hier ist man bereits in den Kitzbüheler Alpen.

In den Chiemgau und nach Tirol

Wer sich in Marquartstein links hält, gelangt nach Reit im Winkl. Auf der anderen Seite des Chiemsees, also in Richtung Nordwesten, liegt die Eggstätter Seenplatte, das Heilbad Bad Eindorf und Rosenheim. Der Chiemsee lebt von seiner einmaligen Lage direkt im Alpenvorland auf Tuchfühlung mit den Alpen. Er lebt auch von den kleinen idyllischen Seegemeinden und den ihn umgebenden Urlaubsregionen wie etwa dem Chiemgau oder Traunstein. Der Chiemsee ist zu jeder Jahrezeit einen Ausflung – und auch einen längeren Urlaub – wert. Salzburg ist über die A8 in 40 Minuten, München in 60 Minuten zu erreichen.

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