Grömitz, Fehmarn, Ostsee und Hamburg

Ganz im Norden Deutschlands angekommen, in Grömitz an der Ostsee, haben wir nun doch schon einige Stationen unserer Deutschlandreise mit unserem Trigano Zeltanhänger und Dacia Stepway hinter uns (siehe ersten Reisebericht). Grömitz blickt auf eine über 100-jährige Seebadtradition zurück. Davon ist im Ort selbst nur wenig zu spüren. Vielen Müttern ist das Ostseebad von ihrem Urlaub, von Kuraufenthalten mit ihren Kindern her bekannt.

 

Grömitz, Fehmarn, Ostsee und Hamburg Deutschlandreise II. Teil Ganz im Norden Deutschlands angekommen, in Grömitz an der Ostsee,
Ganz im Norden Deutschlands angekommen, in Grömitz an der Ostsee, ein Besttripp

 

Repräsentativ ist die lange Seepromenade, der wir aber erst später einen Besuch auf unserer Reise abstatten werden. Zuerst suchen wir uns einen Platz für unseren Zeltanhänger und fahren dabei an vier Campingplätzen vorbei. Sie wirken wenig einladend auf uns und auch unsere Entscheidung für Camping Neumann war mehr einem aufziehenden Gewitter geschuldet. Unsere Aufnahme dort durch eine Mitarbeiterin war sehr freundlich. Der örtliche „Kurbeitrag“ in Höhe von 3 Euro schlägt stark zu Buche.

Ist die Ostsee auch ein Meer?

Für die Reise von Lauenburg an der Elbe nach Grömitz benötigten wir zwei Stunden, vorbei an unzähligen Blitzgeräten. Wir kamen trotzdem relativ relaxt an und unser Trigano Zeltanhänger stand in wenigen Minuten, dann prasselten auch schon dicke Regentropfen herab. Die anderen Campingplatzbesucher staunten nicht schlecht über unseren blitzartigen Aufbau. Hier an der Ostsee war es für Juli viel zu kalt, windig und regnerisch für entspannten Urlaub. Warum die Ostsee nicht Meer heißt, habe ich bis heute übrigens nicht verstanden. Ostmeer klingt doch auch nicht schlecht. Und natürlich habe ich mich schlau gemacht – siehe Link.

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Wir richteten uns häuslich ein und bald hörte es auf zu regnen. Die Sonne kam für eine Stunde heraus und erhellte den Tag. Wir nutzten die Schönwettermomente für einen Sparziergang am Strand der Ostsee. Er war naturbelassen und mit allerlei Strandgut wie Abfällen, toten Krebsen und Quallen und auch Muscheln bedeckt. Der starke Wind und das Sturmtief „Helga“ hatten ihre Spuren hinterlassen. Sehnsüchtig dachte ich an unsere Reisen und Sommerurlaube an bestens gepflegte Adriastrände mit Wassertemperaturen von 20 Grad und mehr zurück.

Mit dem Fahrrad den Deich entlang

Wir lassen uns auch weiterhin die Urlaubsstimmung natürlich durch nichts verderben, schnappen unsere Räder, und los geht’s den Deich entlang, die Windjacke immer im Gepäck. Die Landschaft ist so ganz anders für uns bayerische „Bergbewohner“. Aber auch das Flache, Windige und die Wiesen, die sich mit kleinen Wäldchen und Weiden abwechseln, haben ihren Reiz. Bis in den Ort Grömitz radeln wir sehr gemächlich 30 Minuten und lassen die Landschaft auf uns wirken. Es bringt etwas Meditatives mit sich, auf Dauer würde ich hier wohl schwermütig werden. In Grömitz selbst öffnet sich uns dann ein ganz anderes Bild.

Viele Menschen, Cafés und Geschäfte, die sich alle über die Sommer-Gäste freuen, doch für eine gemütliche Einkehr war es zu kalt, so dass in den meisten Lokalitäten entlang der Promenade kaum Gäste verweilten. Entlang der Küste gibt es hier eine mit massiven Natursteinplatten geflieste Promenade – ist es gar Marmor? -, die den Anspruch des Seebades als gehobener Tourismusort verdeutlicht. Anspruch und Wirklichkeit scheinen mir aber zweierlei zu sein.

Sobald wir den Strand- und Promenadenbereich verlassen, entsteht für uns der Eindruck, dass das besondere Ambiente hier fehlt. Der Ortskern mit vielen aneinander gereihten Geschäften und Restaurants wirkt wenig einladend. Bei uns überwiegt das Feeling, als ob Grömitz gar keine richtige Stadt, sondern nur eine Ansammlung an Häusern und Geschäften für ein paar Urlaubsmonate am Meer wäre.

In Fehmarn legen die Fähren nach Dänemark ab

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Ausflug zur nahen Insel (50 km) Fehmarn bis ganz nach Puttgarden. Hier befindet sich die Anlegestelle der dänischen Fährschiffe. Die Insel Fehmarn ist über eine lange Brücke mit dem Festland verbunden, die an diesem Tag für LKW und Autos mit Anhänger wegen heftigem Sturm gesperrt war. Die Brücke ist einen Kilometer lang und die Fahrt auf ihr – man spürt die unbändige Kraft der Naturgewalten von Wind und Meer – ist ein Erlebnis, auch die Ausblicke auf das Land, soweit man die Leitplanke überschauen kann, ist atemberaubend.

Fehmarn: Land, Meer und Wind soweit das Auge reicht
Fehmarn: Land, Meer und Wind soweit das Auge reicht. Fotos: Gerd & Christine Spranger

Wer noch nördlicher will, der muss auf dem Festland bleiben und nach Flensburg oder zur Insel Sylt an die Nordsee fahren. Fehmarn ist mit 185 km² die drittgrößte deutsche Insel. Das Gras hier scheint irgendwie dichter zu wachsen und der Wind gehört zur Insel wie das Meer. Es ist ein romantisches Fleckchen Erde und wir nehmen uns Zeit für einen Spaziergang an der Küste entlang. Hier ’stolpern‘ wir quasi über einen idyllischen Campingplatz (Klausdorf), hier am Ende Deutschlands. Natürlich machen wir noch einen Abstecher nach Puttgarden und schauen dem Treiben ein wenig zu. Der Wind, so direkt an der Meeresküste, war an diesem Tag wirklich heftig. So ist sie halt, die Ostsee. Man muss mit ihr leben, sich mit ihr arrangieren, auch im Urlaub.

Südseefische, Mantas und Haie

Es ist ein angenehmes Gefühl, sich dem Wind auszusetzen. Allerdings sollte man eine Windjacke dabei haben und sich ‚Wind und Wetter‘ nicht über Stunden aussetzen. Am Fährhafen herrscht ein großes Kommen und Gehen, die Leute sind alle etwas aufgeregt-unruhig, beim Passieren ihrer Fährpassage nach Dänemark. Einige hundert Meter entfernt warten die Autos in mehreren Spuren auf die nächste Fähre. Bei der Rückfahrt entscheiden wir spontan, noch das Meeresaquarium Fehmarn zu besuchen. Korallen, bunte Tropenfische, kleine Mantas und Haie erwarten uns. Ein klassisches Ausflugsziel für die ganze Familie, auch uns hat es gefallen und war für eine Stunde eine willkommene Abwechslung. Vermisst habe ich ein großes Ostsee-Becken. Welche Fische gibt es in der Ostsee? – ich weiß es nicht. Oder welche Fische sind ausgestorben und warum? Gibt es an der Ostsee noch Berufsfischer? Schämt man sich der Heimat in Fehmarn?

Es war wieder ein Tag voller Eindrücke und Erlebnisse, an dem wir uns auch Wochen später noch sehr gerne zurück erinnern. Er war aber noch nicht vorbei. Gegen Abend fuhren wir noch an den rund 30 Kilometer von Grömitz entfernten Timmendorfer Strand. Ich wollte es unbedingt kennenlernen, sein Ruf eilt ihm voraus als Hamburger Strandpromenade. Dank Navi fanden wir schnell dorthin und unser erster Weg führte durch einen nett angelegten Park direkt auf die Promenade. Und dort standen sie, die von meiner Mutter so geliebten Strandkörbe, schön in Reih und Glied, einer neben dem anderen.

Die Ostssee bei Timmendorf

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Blaue See, kalter Wind, Strandkörbe – Kurzum: die Ostsee

Etwas weiter entfernt von uns führte ein langer Steg ins Meer, ein gepflegter Strand und natürlich überall das weite Meer, das Rauschen und die salzhaltige Luft. Das war sie also, die Bilderbuchostsee von ihrer schönsten Seite. Es war aber kalt, wir hatten eine Jacke an und der Wind blies uns um die Nasen. Keine mediterrane Sommerstimmung mit lauen Temperaturen, denn dazu fehlt hier die südliche Wärme. Und trotzdem kommt Stimmung auf Norddeutsch auf. Denn entgegen landläufig bayerischer Meinung verstehen es die Nordlichter, gemütliche Geselligkeit mit viel Stimmung zu zelebrieren.

Mit Gasstrahlern dem Sommer einheizen

In Timmendorf wird dem Sommer mit Gastrahlern auf die Sprünge geholfen
In Timmendorf wird dem Sommer mit Gastrahlern auf die Sprünge geholfen

Und trotzdem kommt Stimmung auf Norddeutsch auf. Denn entgegen landläufig bayerischer Meinung verstehen es die Nordlichter, gemütliche Geselligkeit mit viel Stimmung zu zelebrieren. Dies erlebten wir, als wir in den Ort spazierten, durch eine kleine Fußgängerzone und in einem Café Platz nahmen. Auf einer kleinen Bühne zelebrieren zwei Musiker Swing und Jazz und mir wird nicht nur warm im Herzen, sondern auch im Rücken. Hinter mir ragt nämlich einer jener Gasheizer in Pilzform auf, den wir in den Alpen nur von Christkindlmärkten oder Skihütten her kennen. Erst jetzt merke ich, sie sind im ganzen Lokal verteilt, in verschiedenen Formen und Größen bis hin zu Heizstrahlern unter der Decke.

timmendorf_cafe
Ein wenig Entspannung muss sein

Wir haben aber nicht Winter, sondern Juli, also Hochsommer. Ich schließe die Augen, höre die Musik und die Geräuschkulisse des Cafés, die Sonne strahlt mir ins Gesicht und der Heizstrahler in den Nacken. Ja, langsam kommt Urlaubsstimmung auf. Der kleine Wein und ein Aperol-Sprizz hatten mit 15 Euro aber auch ihren Preis dafür.

Nächster Tag, neues Glück. Wir machen uns auf nach Hamburg. Ich habe noch dunkle Kindheitserinnerungen an den Hafen, den Michel und den alten Elbtunnel. Der Michel ist in Hamburg kein Lausbub und wohnt auch nicht in Lönneberga. Es ist das Wahrzeichen der Hansestadt ist die evangelische Hauptkirche St. Michaelis, heißt es auf der Homepage der stolzen Hansestadt.

Und wir Bayern müssen sowieso erst mal nach oben, um uns einen Überblick zu verschaffen. Das sind wir von den Bergen so gewohnt. Darum wird auch nicht lange rumgemacht, es geht hinauf auf den Michel, Christine mit dem Lift und ich zu Fuß die Treppe, was mich doch ein wenig zum Schwitzen bringt, denn der Michel ist 132 Meter hoch. Oben drängen sich viele Besucher auf der engen Plattform, doch der Blick ist einmalig. Die Innenstadt, der Hafen, die Alster sind zum Greifen nahe. Hamburg ist mit 1,8 Millionen Einwohner die zweitgrößte Stadt in Deutschland.

Hamburger Michel und der Hafen

Eine schöne Grünanlage zwischen Hafen und Michel in Hamburg
Eine schöne Grünanlage zwischen Hafen und Michel in Hamburg

So sehen wir – soweit der Blick reicht – einfach ‚Stadt‘, die uns fremd und unbekannt ist. Den Michel selbst können wir uns nicht ansehen, wir haben nur begrenzt Zeit und die Uhr läuft. Wir wollen noch einen Abstecher in die Innenstadt mit ihren mondänen Geschäften machen, dort in ein kleines Cafés gehen und dann zum Hafen. Leider aber haben wir mit der genauen Orientierung ein paar Herausforderungen. In welche Richtung sollen wir uns aufmachen? Wir fragen einfach eine junge Einheimische, wo’s denn in der Innenstadt für einen Café gemütlich sei. Sie schickte uns in die Alsterpassage, wo es im zweiten Stock ein echtes Wiener Café gibt, mit Blick auf die Alster. Ob sie uns wegen der Sprache dorthin schickte? Auf jeden Fall war es für uns die genau richtige Adresse.

Wie es uns weiter in Hamburg ergangen ist und auf unserer Reise nach Minden, Rothenburg und München lest Ihr in unserem nächsten Reisebericht.

 

 

Deutschlandreise zweiter Teil
Hier geht’s zur Deutschlandreise I. Teil.

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